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Chia-Samen: Traurige Ökobilanz

Chia-Samen / Foto: © Diana Taliun - fotolia

Genau hinsehen, nicht jedem US-Trend nachlaufen. So sparen Sie Geld und vermeiden Enttäuschungen.

Superfoods geistern durch die Medien. Auf das Modewort „Superfood“ reagieren Menschen so elektrisiert wie früher wenn irgendwo „Outlet“ zu lesen war. Outlets haben ihren Zauber weitgehend verloren. Bei Chia Exotic & Co wird es kaum anders werden.

 

Bei Chia & Co sind die Erwartungen groß. Zuviel versprechen die Medienprofis. Sie wissen genau, wie Trends vermarktet werden, und die „Gläubigen“ folgen ihnen auf Schritt und Tritt: „Für die aztekischen Krieger waren die Samen eine wahre Überlebensration. Zwei Löffel Chia-Samen konnten einen Krieger 24 Stunden lang stärken. Chia bedeutet in der Sprache der Maya Kraft. Die Nachrichtenläufer der Mayas konnten den ganzen Tag laufen, wenn sie Chia-Samen gegessen hatten. Aus Überlieferungen wissen wir, dass Chia-Samen aufgrund ihrer gesundheitsfördernden Eigenschaften sogar teurer als Gold gehandelt wurden.“ So wird der hohe Preis erklärt. Der Mythos ist ein gutes Verkaufsargument. Die Werbeprofis „begeistern“ mit ihren Indianergeschichten. Wissenschaftlich belegen lassen sich die zitierten „Heilwirkungen“ nicht. Chia-Samen können weder das Auftreten von Herzkreislauferkrankungen, Diabetes oder Krebs usw., noch deren Verlauf beeinflussen.

 

Die fast geschmacklosen Chia-Samen enthalten zahlreiche Nährstoffe und können über fast alles gestreut werden. Doch Vorsicht, in Verbindung mit Flüssigkeit quellen sie bis zum 10fachen Volumen auf und bilden eine Art sättigenden „Schleimbrei“. Wenn Sie den Samen pur verzehren, sollten Sie immer reichlich Wasser dazu trinken. Behörden empfehlen Obergrenzen für den täglichen Verzehr.

 

Chia-Samen Nebenwirkungen:
FIT FOR FUN berichtet über blutdrucksenkende und blutverdünnende Eigenschaften, Verstopfung, Blähungen sowie Völlegefühl und weist auf mögliche allergische Reaktionen hin. Chia gehört wie Senf zur Familie der Lippenblütler. Wir wissen noch zu wenig.

Quelle: http://www.fitforfun.de/superfood/chia-samen-nebenwirkungen-warum-chia-samen-nicht-immer-gut-sind-191272.html. Aufgerufen am 15.12.2015.

© Eisenhans - fotolia

 

Chia-Samen haben eine schlechte Öko-Bilanz über 9.000 km Transport bis nach Deutschland, Österreich oder Schweiz. Wie die Werbeaussagen sollte auch die Öko-Bilanz kritisch hinterfragt werden. Heimische Saaten wie Lein, Raps oder Nüsse bieten ähnliche Nährstoffe und haben die deutliche bessere Öko-Bilanz. In Zeiten des Klimawandels gilt es darüber nachzudenken, ob man den hohen „CO2 Fußabdruck“ von aus Südamerika importiertem Chia-Samen verantworten will oder nicht. Der Transport über 9.000 km (Luftlinie) hat einen entsprechenden Ausstoß von Kohlendioxyd in die Atmosphäre und einen entsprechenden Energieverbrauch zur Folge.

 

Chia-Samen aus Guatemala? Kartoffeln aus Ägypten? Äpfel aus Neuseeland? Wer gesund leben will, sollte über den Schadstoffausstoß und den Verbrauch an Primärenergie nachdenken. Heimische Lebensmittel haben die deutlich bessere Ökobilanz.

 

Chia-Samen aus Südamerika oder regionaler Bio Leinsamen?

Heimische Alternativen mit gutem Gewissen. Der direkte Vergleich macht Sinn. Nährstoffbilanz, Allergieverhalten und Ökobilanz sind die wichtigsten Vergleichskriterien. Jeder muss für sich selbst entscheiden.

 

Deutlicher Vorteil von Leinsamen-Keimlingen im Vergleich zu Chia-Samen: Gekeimter Leinsamen ist sehr gut bioverfügbar und viel besser und länger haltbar, ohne seinen nussigen guten Geschmack zu verändern. Da es nur ganze Chia-Samen gibt, müssen Sie das Keimen daheim selbst besorgen. Das ist schwieriger als Sie vielleicht vermuten. Wenn Sie es hinbekommen, müssen die Keimlinge wegen der fehlenden Haltbarkeit innerhalb weniger Tage verzehrt werden.

 

Bio Leinsamen gekeimt als Alternative zu Chia-Samen?
Was sagt der Diplom-Ernährungswissenschaftler über Leinsamen?

 

Lein, auch Flachs genannt, ist eine einjährige Pflanze und trägt den lateinischen Namen „Linum usitatissimum“, was „äußerst nützlicher Lein“ bedeutet. Die himmelblauen zarten 5-zähligen Blüten bringen kleine Samen hervor, die eine richtige Quelle der Gesundheit sind.

 

Über ein Viertel des Leinsamengewichts betragen Ballaststoffe. Sie und vor allem die in ihnen enthaltenen löslichen Polysaccharide (Schleimstoffe) haben die Fähigkeit,  in Flüssigkeit stark aufzuquellen. Deshalb werden Leinsamen traditionell für die Regulation der Verdauung eingesetzt: Durch ein größeres Volumen des Nahrungsbreis wird die Darmwand gedehnt und reflektorisch in Bewegung gesetzt, was die Darmentleerung erleichtert. Gleichzeitig absorbieren Ballaststoffe alle im Darm anfallenden toxischen Stoffwechselprodukte und binden auch die Gallensäuren. Das schützt nicht nur vor Darmkrebs, sondern hilft auch Cholesterin im Blut zu senken. Außerdem fördern die Schleimstoffe die Abheilung von gereizter Schleimhaut bei Gastritis oder bei Reizdarm, weil sie sie schützend abdecken.


Leinsamen enthalten auch wasserlösliche Lignane, die antioxidativ wirken und in der Medizin zur Krebsbehandlung eingesetzt werden. Sie hemmen das Tumorwachstum nicht nur im Darm, sondern auch in der Brust oder Prostata. Außerdem enthalten Leinsamen cyanogene Glycoside (Linamarin, Linustatin, Neolinustatin), die die Antikrebs-Wirkung unterstützen.

Bio Leinsamen-Keimlinge / Foto: © Embio Garden bv

Der Leinsamen enthält zu 30-45 % eines der empfindlichsten Öle der Welt: Es besteht fast ausschließlich aus ungesättigten Fettsäuren, von denen über die Hälfte die alpha-Linolensäure ist. Diese Omega-3-Fettsäure ist essentiell, also lebensnotwendig, da der Körper aus ihr alle weiteren Omega-3-Fettsäuren herstellen kann. Sie sind insbesondere für die folgenden Bereiche notwendig: Herz-Kreislauf (Schutz vor Infarkt bzw. Insult, Senkung von Cholesterin und von Blutdruck), Immunsystem (Vermeidung von Autoimmunerkrankungen, Allergien), Hemmung der Entzündungsprozesse und Rheuma, Entwicklung und Aufrechterhaltung der Gehirnfunktionen (Sehschärfe, Sprache, Feinmotorik, Koordination, Aufmerksamkeit, IQ sowie soziales Verhalten) und Zellgesundheit (Schutz vor Krebs). Voraussetzung für die positiven gesundheitlichen Wirkungen ist, dass die Fettsäuren nicht oxidiert werden. Während das gepresste Leinöl sehr luft- und lichtempfindlich und deshalb schnell verderblich ist, sind die Fettsäuren im Samen durch dessen Nährstoffe geschützt.

 

Einfach gequollene Leinsamen geben nur wenige Inhaltsstoffe bei der Verdauung frei. Gekeimte Leinsamen, die für eine bessere Bioverfügbarkeit zusätzlich geschrotet werden, sind in der Lage, ihre Nährstoffe dem Körper optimal zu liefern. Beachten Sie bitte, dass nach der Einnahme von 1-2 Esslöffeln vorgequollener Leinsamen noch etwa 0,5 Liter Wasser getrunken werden muss, damit die Leinsamen aufquellen und ihre stuhlerweichende Funktion entfalten können. Bei Darmverschluss und während der Schwangerschaft sollten keine Leinsamen verzehrt werden.

 

Meine Empfehlung:

Zur Unterstützung einer umfassenden Entgiftung des Körpers passen gekeimte und geschrotete Leinsamen sowie Flohsamenschalen, Brennnessel und Löwenzahn ideal zusammen. Jedoch sollten sie aus einem Bio-Anbau stammen, um reinigend zu wirken und nicht umgekehrt. Dann entsteht eine richtige Bio-Detox-Mischung mit einer 3E-Funktion: „Entgiften, Entschlacken, Entwässern“. Um nicht alle 4 Komponenten in Bio-Qualität zu suchen, empfehle ich fertige Bio-Detox-Mischungen für die tägliche Anwendung, die es auf dem Markt bereits gibt. Sie lassen sich bequem pur, in Smoothies, Müsli und in verschiedenen Gerichten genießen.

 

BIO-Qualität

Ökologische Landwirtschaft verwendet keine Herbizide (Unkrautvernichtungsmittel), Fungizide (Pilzgifte), Insektizide (Insektenvernichtungsmittel), künstliche Dünger und sonstige Stoffe, die das Wachstum der Pflanzen beeinflussen. So schützt sie nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch die Natur (Boden, Ressourcen und Artenvielfalt).

 

Ilja Rieb (Dipl.-Ernährungswissenschaftler)

 

 

                                        KREBS Dichtung und Wahrheit                            Der Darm – Schlüssel zur Gesundheit

                                             von Dr. med. Johannes Kuhl                                      von Heilpraktiker Stephan Teutsch

 

 

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