Zurück

Halloween 2016: Lass den Spuk los

© Konstantin Yuganov - fotolia

 

Kürbisfratzen, Vampir-Verkleidungen und Gruselpartys. Halloween dominiert den Zeitgeist im Oktober. Was steckt hinter Halloween?

 

Geht Halloween auf die keltischen Druiden zurück, oder haben sich die an Halloween gepflegten Bräuche im Laufe der Jahrhunderte entwickelt und sind nur Spaß? Einige Halloween-Bräuche haben einen dunklen Hintergrund.

 

An Halloween geht man meist „spielerisch“ mit dem Teufel und den Geistern um. Doch es stehen auch übernatürliche Mächte dahinter, mit denen niemand spielen kann. Ich habe als Jugendlicher den Teufel als reale Macht erlebt, die mir anfangs nützlich schien, mich dann aber fast zerstört hat. Ich kriegte eine Angst wie noch nie im Leben. Und aus Furcht vor einer weiteren Erscheinung wagte ich mich in keinen dunklen Raum mehr.“

(Jörg Kuhn, TV-Redakteur bei ERF, Wetzlar)

 

Filmtitel in den Fernsehprogrammen oder in Videotheken zeigen, dass ein auffallend starkes Interesse an Horror, finsteren Kräften und übersinnlichen Erfahrungen besteht. In Illustrierten wird für Kartenlegen, Wahrsagerei und esoterische Selbsterfahrungskurse geworben. Wie ist es möglich, dass in einer Gesellschaft, die Gott mehr und mehr ausklammert, Aberglaube und Spiritismus zunehmen?

 

Die rein materialistische Lebensanschauung stößt den Menschen offensichtlich in eine letztlich sinn-entleerte Welt. Manchen Menschen reicht das aber nicht, sie wollen mehr vom Leben, suchen den neuen und letzten Kick. So beginnt sich die Sehnsucht der Suchenden scheinbar im Okkulten, in Magie und Geisterglaube zu erfüllen – entgegen aller Wissenschaft und Aufklärung. Niemand lebt in einem geistig-geistlichen Vakuum, auch wenn jeder gern auf seine angebliche Freiheit pocht. Hatte vielleicht der Dichter Emanuel Geibel (1815 – 1884) Recht mit der folgenden Beobachtung:

 

„Glaube, dem die Tür versagt, steigt als Aberglaub‘ durchs Fenster. Habt die Gottheit ihr verjagt, kommen die Gespenster.“

 

Textquelle: www.marburgermedien.de

Sollen Kinder Halloween feiern?

© Konstantin Yuganov - fotolia

In der Nacht zum 31. Oktober lauern in schwach erleuchteten Hauseingängen, hinter Mauern und Hecken Vampire, Leichen, Kobolde, Hexen und Geister. Es ist Halloween, der Abend vor Allerheiligen. Harmloser Gruselspaß oder wird hinter der Maskerade der Okkultismus salonfähig gemacht?

 

Nach Aussage der Bibel warnt Gott ausdrücklich vor Wahrsagerei und Zauberei. Wenn wir uns zu Halloween kleiden wie Hexen, Vampire, Werwölfe usw., identifizieren wir uns mit diesen Gestalten und dem Geist, der dahinter steckt. Satanisten und Hexen widmen diesen Tag Satan. Die grausamen Auswirkungen dieser Nacht beschränken sich längst nicht mehr auf Sachbeschädigungen.

 

Wenn wir Entschuldigungen für die Teilnahme an Halloween erfinden, dass alles nicht so ernst zu nehmen sei und wir doch nur etwas Spaß haben wollen, dann bedeutet das für unsere Kinder eine ganz klare Botschaft. Wir spielen das Grausame, Dämonische und Unheimliche herunter und machen die Kinder empfänglich und neugierig für das Okkulte. Ist das wirklich die Botschaft, die liebende Eltern ihren Kindern auf den Lebensweg mitgeben sollten?

 

Mehr zum Thema: „Halloween – Rückkehr der Kelten“ von Gotthard Lesch. Lichtzeichen Verlag: www.lichtzeichen-shop.com

Halloween 31. Oktober - lass die Geister los

© nito - fotolia

Totenmasken, Hexenkostüme und Teufelsfratzen – so maskiert ziehen Kinder und Jugendliche von Tür zu Tür. Reformationstag oder Geisterbeschwörung? Während christliche Traditionen mehr und mehr aus dem Alltag verschwinden, wird Halloween zu einem festen Bestandteil des Brauchtums, der auf keltischen Götterglauben zurückgeht.

 

Waren es viele oder wenige regionale Gottheiten, denen die Kelten ihre Huldigung erwiesen? Antike Autoren schildern mitunter schaurige Details. Vor allem von Opferhandlungen zur Erkundung des göttlichen Willens sowie von Bitt- und Dankesopfern. Hauptakteure waren die Druiden.

© Erica Guilane-Nachez - fotolia

 

Druiden waren eine kultische und geistige Elite in der keltischen Gesellschaft und Mythologie. Im Wort „Druide“ steckt das keltische Wort „uid“ für „weise, klug“, das auf eine indogermanische Wortwurzel zurückgeht. Die erste Silbe „dru“ könnte auf „Eichenweise“ oder auf „als sehr weise“ hinweisen, weil die Eiche als Symbol von Stärke und Macht galt. („Die Druiden“ von Bernhard Maier, C. H. Beck Verlag München)

 

Bis heute ist es Brauch, nach sportlichen Veranstaltungen Siegerinnen und Sieger mit einem Eichenkranz auszuzeichnen. Erstplatzierten wird der Eichenkranz aufs Haupt gelegt. Im so genannten 3. Reich hatte die Siegerehrung mit Eichenkranz einen besonders hohen Stellenwert. In alten Religionen war die Eiche ein heiliger Baum. Die Kelten haben die Eiche dem Himmelsherrscher und Wettergott gewidmet. Kultische Handlungen wurden mit Eichenlaub vollzogen. Die Eiche gilt als „Symbol für die Ewigkeit“, Eichenlaub ist Bestandteil von militärischen Rang- und Ehrenzeichen usw.

 

Etwa im 1. Jahrhundert v. Chr. schrieb der griechische Chronist Diodor von Sizilien: „Es ist Sitte bei ihnen, kein Opfer ohne einen Philosophen zu vollziehen, denn sie sagen, man müsse den Göttern Dankopfer darbringen mit Hilfe von Personen, die des göttlichen Wesens kundig seien und gleichsam dieselbe Sprache sprächen, und mit deren Hilfe, so glauben sie, müsse man auch die guten Dinge erbitten.“

 

Ähnlich ist bei Cäsar über die Aufgaben der Druiden zu lesen: „Sie gestalten den Götterkult, besorgen die öffentlichen und privaten Opfer und legen die religiösen Vorschriften aus.“ Wie man sich solche Opfer vorzustellen hat, erläutert wiederum Diodor: „Verbrecher halten sie fünf Jahre lang gefangen, pfählen sie dann zu Ehren der Götter und verbrennen sie zusammen mit vielen anderen Opfergaben, indem sie riesige Scheiterhaufen errichten. Sie verwenden auch die Kriegsgefangenen als Opfergaben zu Ehren der Götter. Einige von ihnen töten auch die im Krieg erbeuteten Tiere zusammen mit den Menschen oder verbrennen sie oder bringen sie auf andere Weise um.“

© tverdohlib - fotolia

 

 

In den Jahren um Christi Geburt schrieb der viel gereiste griechische Geschichtsschreiber und Geograf Strabon ähnlich: „Sie opferten nicht ohne Druiden. Wie man sagt, praktizierten sie auch andere Arten von Menschenopfern. Die einen erschossen sie mit Pfeilen, die anderen pfählten sie in ihren Heiligtümern, oder sie fertigten aus Stroh und Holz ein riesiges Standbild und steckten dann Vieh, wilde Tiere und Menschen hinein, um so ein Brandopfer darzubringen.“

Knochenfunde an keltischen Opferstätten der Frühzeit belegen, wie auch antike Berichte aus dem 1. Jahrhundert vor Christus von entsprechenden Handlungen. Brand- und Schnittspuren an menschlichen Knochen in Schacht- und Spalthöhlen Oberfrankens belegen, dass hier Frauen, Männer und Kinder im Rahmen religiöser Handlungen geopfert und anschließend vielleicht auch (rituell) verspeist wurden. Während für Taranis (keltischer Gott des Himmels, des Wetters und Donners) Kriegsgefangene in riesigen Weidenkörben verbrannt wurden, mussten für Esus (keltischer Gott des Handels und der Wege) die Menschen an heiligen Bäumen aufgehängt oder erstochen werden.

 

© Simon Kraus - fotolia

Mit Hexenfeuer oder Besenbrennen in der Walpurgisnacht (in anderen Regionen als Sonnwendfeuer) werden keltische Rituale als Brauchtum in fränkischen und angrenzenden Regionen mehr und mehr gepflegt. An diesem Tag sei die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits durchlässig. Der Sage nach versuchten die Menschen früher mit dem Hexenfeuer ihre Angst vor den Nächten der Finsternis zu überwinden.

 

Neben den Knochen fanden sich viele Amulette, etwa exotische Kaurimuscheln, Augenperlen oder aus Menschenschädeln geschnittene runde Scheiben, welche ihre Besitzer vor Krankheiten und bösen Geistern schützen sollten.

 

Der „Kessel von Gundestrup“ wurde 1891 gefunden und befindet sich heute im Dänischen Nationalmuseum. Ein Motiv zeigt, dass im Rahmen eines Baumkultes wohl auch Menschen geopfert wurden. Ein Druide hält einen Mann über einen Opferkessel oder eine Opfergrube. Die Krieger tragen anscheinend einen Kultbaum. Am Opferzug nehmen auch Reiter und Signalhornbläser teil.

 

Der bereits erwähnte antike griechische Geschichtsschreiber Diodor berichtet im 1. Jahrhundert vor Christus: „Sie (die Kelten) weihen nämlich einen Menschen und stoßen ihm dann ein Schwert in die Brust, und indem das Opfer getroffen zusammenstürzt, erkennen sie aus der Art und Weise, wie es niederfällt sowie aus den Zuckungen der Glieder und dem Ausströmen des Blutes das Zukünftige. Dabei schenken sie einer alten und durch lange Beobachtung erprobten Erfahrung Glauben.

 

„Ich bin kein Spielverderber. Aber der dunkle Hintergrund der lichten Kürbisköpfe ist viel zu ernst, als dass ich darüber lachen könnte. Halloween ist nicht nur eine Mode unserer Eventgesellschaft, nicht nur Geschäftemacherei zwischen Sonderangeboten und Weihnachtsware. Weil ich ein Freund von Spaß und Lebensfreude bin, halte ich nichts von Lust am okkulten Gruseln. Wir sollten lieber das Lob Gottes feiern, als alte Geisterriten auszugraben“. (Peter Hahne, TV-Moderator, Berlin)

 

Literaturquellen: www.nubien.de, https://de.wikipedia.org/wiki/Diodor (aufgerufen 19.10.2016), „Wer waren die Kelten: Juniorkatalog 1993“ von Peter Kolb, „Die Kelten: Geschichte, Kunst und Mythen“ von Karl Müller 1998, „Die Kelten in Mitteleuropa“, Katalog der Salzburger Landesausstellung 1980 im Keltenmuseum Hallein. https://de.wikipedia.org/wiki/Eichen (aufgerufen 19.10.2016). http://www.rothenburg-unterm-hakenkreuz.de/die-eiche-symbol-fuer-treue-standfestigkeit-nationale-einheit-und-die-neue-zeit-hitler-baeume-in-und-um-rothenburg-in-diebach-ohrenbach-windelsbach-und-anderen-doerfe/ (aufgerufen 19.10.2016).

Reformation statt Halloween – Luther 2017

Als Gegenstück zum heidnischen Halloween verwirklichen Christen in Stuttgart eine pfiffige Idee. Sie ziehen ebenfalls verkleidet von Haus zu Haus – aber mit einer ganz anderen Botschaft.

 

„Das schauen wir uns nicht länger an!“, befand Editha Humburg, „wir setzen etwas dagegen“! Mit Enkelin Silke und Kindern aus der Kirchengemeinde zogen sie im vergangenen Jahr von Haus zu Haus, aber nicht mit Monsterkostümen und Fratzen, sondern mit einem Reformationsspiel.

 

Auch in diesem Jahr werden sie das so praktizieren. Verkleidet als Luther und Zeitgenossen führen die Kinder eine kurze Szene aus Luthers Leben auf und singen zum Schluss ein Lied, das Editha Humburg extra für diesen Anlass komponiert hat. Sie wollen damit an das erinnern, was man an diesem Tag besser feiern sollte als Halloween:

 

Die Luther-Reformation

Wer weiß denn heut noch was davon?

Gott haben wir längst abgeschafft.

Wir glauben nur an Menschenkraft

Und schmoren ahnungslos im eignen Saft!

 

Und zappeln wir in einer Not,

dann schrei’n wir laut:

„Wo bleibt denn Gott?!“

Er bleibt, wo wir ihn hingeschickt!

Kein Wunder, dass das Leben uns so oft missglückt!

 

Woll’n wir nicht alles noch verlieren,

lasst unser Denken reformieren:

„Die Weisheit liegt bei dir allein,

Gott, kannst du unseren Stolz verzeihn?

Von Herzen laden wir dich ein!“

 

Mit ihrem Reformationsspiel findet die Gruppe eine positive Resonanz. Die Menschen an den Haustüren sind überrascht, statt Teufelsgestalten einem jungen „Luther“ die Tür zu öffnen. Mehr als sechzig Mal haben die Kinder in ihrem Stuttgarter Vorort ihr Reformationsspiel gezeigt. In diesem Jahr werden zwei Gruppen losziehen, damit man auch bei jedem Haushalt vorstellig werden kann.

 

Auch für die Kinder selbst, die mittelalterlich verkleidet von Tür zu Tür ziehen, ist es eine schöne Erfahrung. Editha Humburg berichtet: „Unsere Kinder waren stolz, weil sie auch was mitbringen. Die Halloween-Kinder betteln ja nur.“

 

Besser, als sich über das Schlechte aufzuregen, ist es, etwas Gutes dagegenzusetzen. Damit haben die christlichen Laienschauspieler gute Erfahrungen gemacht. Es bleibt zu hoffen, dass sich von diesem ermutigenden Beispiel viele anstecken lassen. (Thomas Lachenmaier, ethos 10/2009, www.ethos.ch), http://www.editha-geschichten.de/

 

Interview mit den Kindern:

 

https://www.youtube.com/watch?v=3qZrn76DiE8

Zurück